Alpin Kletterkurs im Kaisergebirge

Hallöchen zusammen!

Wenn man jahrelang in der Halle klettert, dann will man irgendwann auch mal raus. Wenn man dazu noch leidenschaftlicher Berggeher ist, dann will man irgendwann auch mal an Stellen weiterkommen, für die man mehr als die normale Wanderausrüstung braucht. Was also machen? Grundkurs Klettern Alpin beim DAV, 5 Tage im Kaisergebirge.

Tag 1

Der Grundkurs Klettern Alpin den ich gebucht hatte, fand an der Vorderkaiserfeldenhütte im Kaisergebirge statt. Die Hütte kannte ich ja schon, nur meine Kletterkollegen noch nicht. Ein Guide, vier Kerle und ich – es würde ein spannendes Wochenende werden 😉 . Ich fuhr am Morgen nach Freimann, wo ich bei zwei der Kletterkollegen mitfuhr. Wir begrüßten uns und dann ging es los. Das Schöne an so DAV Veranstaltungen ist ja immer, dass man Leute kennenlernt, die dieselben Interessen haben. Daher findet man auch gleich ein Gesprächsthema und die Fahrt ging schnell vorbei. In Ebbs trafen wir dann auf den Rest der Gruppe und wir wanderten los. Der Rucksack war mit den Klettersachen nochmal zusätzlich schwer, wir kamen aber trotzdem zügig auf die Hütte. Nachdem die Sachen verstaut waren, packten wir unsere Klettersachen und es ging los zum nahegelegenen Klettergarten. Jetzt ging es richtig los!

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Unser Guide lernte erst mal uns kennen und wie unsere Fähigkeiten sind. Wir hatten erste Berührungen mit dem Fels, lernten das Plattenklettern kennen und was draußen zu beachten ist. Für den Anfang hatte er uns die Seile eingehängt und wir mussten auf wenig achten. Wir lernten den Halbmast, mit Tube sichern, Expressen einhängen und verschiedene Knoten gelegt und gesteckt. Noch war das etwas verwirrend, am Tag drauf würde das dann aber Sinn machen. Zwischendurch wurden wir von einem Schauer überrascht, bei dem wir zurück in die Hütte liefen. Beim zweiten Schauer war es dann schon so spät, dass wir in der Hütte blieben. Es folgte ein leckeres 3-Gänge-Menü am Abend. Ich hatte vegane Kost angemeldet und bekam die ganze Zeit über ein köstliches Abendessen.

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Tag 2

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Am zweiten Tag hatte uns das schlechte Wetter eingeholt. Beim Frühstück waren wir alle etwas unschlüssig, was nun das Beste sei, aber so würde es eben ein Theorietag werden. Das hieß also Materialkunde in der Hütte und Übungen im Trockenen. Wir packten unsere Sachen aus, die wir dabei hatten und unser Guide erklärte uns, was wozu da war, auf was man achten sollte und wie die Sachen zu handhaben sind. Danach ging’s in die Praxis: Wir übten Standplatzbau. Um Holzmasten in der Hütte wurde eine Bandschlinge gelegt und ein Karabiner und dann konnte es losgehen. Halbmast, wie die Knoten zu legen sind, wie Vor- und Nachsteiger gewechselt werden, wie man das Seil ausgibt. Die Trockenübungen waren eine große Hilfe für den kommenden Tag, an dem wir das Ganze am Feld machen würden.

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Am Nachmittag zog es etwas auf, so dass wir noch eine Erkundungswanderung machten. Wir liefen auf die Naunspitze und suchten dort schon mal den Einstieg für die Gratwanderung, wanderten weiter zum Petersköpfl und zum zugehörigen Klettergarten. Danach suchten wir auch noch den Einstieg für die Gratwanderung an der Steingrubenwand und wanderten ab der Hinterkaiserfeldenhütte wieder zurück in die Vorderkaiserfeldenhütte. Und am Abend wagten wir uns dann doch noch für eine kurze Kletterpartie an die Felsplatten. Nun war es wieder halbwegs trocken.

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Tag 3

Den dritten Tag verbrachten wir am Fels und vertieften den Standplatzbau. Wir übten dort, wie der Standplatz gebaut wird, wie Merhseillängentouren gegangen werden und wie man abseilt. Wir übten das mehrmals und waren auch froh drum, so etwas Sicherheit zu bekommen. Die ganzen Handgriffe mussten ja doch irgendwie in Fleisch und Blut übergehen. Das war aber nicht alles, wir lernten nun auch, was man mit den Bandschlingen und Reepschnüren sonst so alles machen kann, welche Löcher am Fels man ausnutzen kann, um einen Standplatz zu bauen und worauf man beim Legen von Sicherungen achten muss.

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An diesem Tag hatten wir super Wetter und konnten viel üben und das bei optimalen Bedingungen. Die Zeit verflog und wir lernten die verschiedenen Elemente des Alpin Kletterns. Zwischendurch gab es immer wieder Zeiten, in denen wir einfach nur kletterten, immer schwerere Routen ausprobierten und so immer sicherer wurden.

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Am Abend saßen wir erschöpft und glücklich in der Hütte und planten den nächsten Tag. Nun würde es Zeit, für die erste richtige Mehrseillängentour. Wir wollten eine Einsteigertour an der Steingrubenwand machen.

Tag 4

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Wir waren alle ein bisschen nervös am nächsten Morgen – allerdings sehr positiv aufgeregt. Nun würden wir unsere erste Gratwanderung gehen und wir waren schon sehr gespannt, wie wir uns schlagen würden. Wir packten unsere Rucksäcke und zogen los. Wo der Einstieg ungefähr sein musste, wussten wir ja noch von der Erkundungstour. Dass wir dafür allerdings unter Latschen durchkriechen mussten und der Weg auf dem Steinfeld so gar nicht erkennbar war, merkten wir erst vor Ort. Nach einer Zeit standen wir dann aber doch am Klettergarten, bei dem sich auch der Einstieg zur Gratwanderung befand.

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Uns erwarteten sechs Seillängen im Schwierigkeitsgrad III+/IV+ mit einer 5er Stelle. Und dann ging’s los. Drei Seilschaften machten sich auf den Weg 😉 . Hier die Exe, dort das Seil, da den Knoten und nun ordentlich nachziehen. Konzentriert arbeiteten wir uns von Stand zu Stand. Es gab eine 5er Schlüsselstelle, an der ich heilfroh war, dass der Guide dastand und uns nach und nach half. Wir waren mit Wanderschuhen unterwegs und da wurden meine Knie dann doch etwas weich. Aber auch das war dann geschafft und es ging weiter. An dieser Strecke sind meist Bohrhaken im Fels, wir hatten aber trotzdem die Gelegenheit den Standplatzbau auch ohne Haken zu üben – am Fels, an Wurzeln und allem, was so da war. Zum Schluss erwarteten uns 75m abseilen. Da fragte ich schon mehrmals beim Guide nach, ob er sich das nochmal anschauen könnte. Es war aber alles wunderbar und wir konnten uns entspannt abseilen.

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Und damit war die erste Gratwanderung geschafft. Ein tolles Gefühl, das noch eine Weile nachwirkte. Echter Fels, schönes konzentriertes Voranarbeiten und immer vertraute Zusammenarbeit am Fels. Das ist eine schöne Art der Fortbewegung in den Bergen. Für den restlichen Nachmittag tobten wir uns nun noch am Klettergarten aus und lernten wie man mit Klemmkeilen und Friends Sicherungen legen kann.

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Tag 5

Für den letzten Tag stand eine kurze Gratwanderung am Vormittag an. Wir wanderten zum Einstieg am Grat der Naunspitze und hatten unsere Sachen wieder vorbereitet. Diese Wanderung war vom Schwierigkeitsgrad her leichter und man konnte sich so mehr auf die Technik konzentrieren. Mir fiel es überraschenderweise an diesem Tag etwas schwerer und ich brauchte länger, bis ich den Mastwurf endlich richtig hatte. Aber auch das gehört dazu und dann muss man eben ruhig bleiben und konzentriert weiterarbeiten. Und nach den fünf Seillängen waren wir auch schon am Gipfel der Naunspitze – mal wieder 😉 .

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Nun kam der große Abschied – ein paar wollten noch zu einem anderen Klettergarten schauen, wir machten uns schon auf den Weg zurück zur Hütte. Dort machten wir noch Mittagspause und wanderten dann zusammen mit dem Guide zurück ins Tal. Wir reflektierten die letzten Tage und überlegten, wie es nun weitergehen würde. Übung war jetzt wichtig, da war ich noch etwas am Grübeln, wer das wohl mit mir machen würde. Aber da würde sich schon eine Lösung finden.

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Damit gingen fünf Tage Klettertraining im Kaiser zu Ende. Es war eine tolle lehrreiche Zeit! Ich habe schon deutlich mehr Respekt vor dem Fels, als ich es in der Halle habe und da ist einfach Übung, Übung, Übung nötig, um mit dem Fels vertraut zu werden. Auf jeden Fall will ich das Alpin klettern weitermachen – es hat großen Spaß gemacht und das zusammen mit einer super netten Truppe!

Liebe Grüße,
Sabine 🙂

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