Zweite Wanderung: Watzmannhaus (1930m) und Hocheck (2651m)

Parkplatz Hammerstiel – Stubenalm – Mitterkaser Alm – Falzalm – Watzmannhaus – Hocheck – Watzmannhaus – Falzalm – Mitterkaser Alm – Stubenalm – Parkplatz Hammerstiel

Hallöchen!

Auch am zweiten Tag im Berchtesgadener Land begrüßte uns am Morgen die Sonne. Beim Frühstück in unserer Pension konnten wir schon den Blick zum Watzmann genießen. Das war für diesen Morgen genau richtig, denn das Ziel des Tages war das Watzmannhaus. Nachdem die Rucksäcke wieder gepackt waren, fuhren wir zuerst nach Berchtesgaden zum Berchtesgadener Land Tourismus. Dort begrüßte uns Christian und erklärte uns kurz unsere Aufgaben als Wanderwegetester. Und dann waren wir auch schon auf dem Weg zum Parkplatz Hammerstiel, dem Ausgangspunkt der Wanderung zum Watzmannhaus.

Am Parkplatz angekommen waren wir verwundert, wie hoch dieser schon liegt. Wir liefen zum ersten Wegweiser und wussten dann auch warum: Fünf Stunden bis zum Watzmannhaus. Da lag wohl eine ordentliche Strecke vor uns. Aber der Weg war breit und angenehm und hatte nur selten anstrengende Steigungen. So kamen wir ganz gut voran. Wir sahen immer wieder Schilder einer „Herz-Kreislauf-Wanderung“, die die Wanderung in elf verschiedene Abschnitte einteilen. So konnten wir recht gut mitverfolgen, wie viel Strecke wir schon zurückgelegt hatten. Das erste Teilstück verlief durch den Wald. Als das vorbei war, kam auch schon die erste Alm auf unserem Weg: Die Stubenalm.

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Ein erneuter Blick auf den Wegweiser bestätigte, dass fünf Stunden wohl doch etwas übertrieben waren. Demnach hätten wir zu dem Zeitpunkt schon eineinhalb Stunden unterwegs sein müssen, das war aber maximal die Hälfte. Nach einer kurzen Trinkpause liefen wir weiter. An einem steileren Stück wurden wir plötzlich von einem Auto überholt. Wir schauten uns kopfschüttelnd an und ich konnte es nicht lassen, mich über Klischees, die man mit einem Münchener Kennzeichen in Verbindung bringt, auszulassen. Dass wir selbst fast Münchener sind, verschweige ich dabei gerne. Wenig später sahen wir das mittlerweile geparkte Auto und drei Herren aussteigen und loswandern.

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Unser nächster Höhepunkt war die Mitterkaser Alm. Damit hatten wir wieder eine Station auf unserem Weg erreicht und gönnten uns einen Nussriegel für den weiteren Aufstieg. Dieser führte in Serpentinen entlang durch eine wunderschöne Waldwiese voller bunter Blumen. Nun wurde die Wanderung steiler, aber dafür landschaftlich noch reizvoller. Daher war der weitere Weg nur halb so anstrengend und schon bald verließen wir diesen paradiesischen Abschnitt und kamen zur Falzalm.

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Nun war das Watzmannhaus schon deutlich zu sehen und wir wanderten das letzte Teilstück nach oben. Über viele Serpentinen geht es auf einem steinigen, aber sicheren Weg nach oben.

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Nach der letzten steileren Anstrengung erreichten wir dann das Watzmannhaus auf 1930m. Von dort hatten wir einen traumhaften Ausblick ins Tal. Wir holten uns etwas zu trinken, aßen eine Kleinigkeit und blickten auf die Uhr. Zweieinhalb Stunden hatten wir gebraucht und es war gerade mal Mittag. Nun schon wieder zum Abstieg aufzubrechen erschien uns irgendwie sinnlos. Ein anderer Wanderer fragte uns, was wir noch vorhätten. Vermutlich Abstieg. Er würde noch auf’s Hocheck gehen. Damit verabschiedete er sich. Und wir entschieden uns dafür, zum Wegweiser vor dem Watzmannhaus zu laufen und dann zu entscheiden.

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Auch die drei Männer, die ein gutes Stück mit dem Auto zurückgelegt hatten, waren im Watzmannhaus. Nun sahen wir aber auch, warum: Sie hatten Pläne ausgebreitet und waren wohl für den Umbau des Watzmannhauses verantwortlich. Da nahm ich meine falschen Beschuldigungen wieder zurück, dann war die Anfahrt vielleicht doch irgendwie gerechtfertigt. Nun liefen wir zum Wegweiser.

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Hocheck, Watzmann-Mittelspitze und Watzmann-Südspitze waren angeschrieben. Die letzteren beiden schlossen wir natürlich aus, das Hocheck sagte uns zu dem Zeitpunkt noch nichts. Wir erinnerten uns daran, dass Cordula meinte, dass eine Hocheckbesteigung normalerweise mit einer Übernachtung im Watzmannhaus verbunden wird. Drei Stunden und schwarze Route war angeschrieben. Wir überlegten, schauten nochmal auf die Uhr und liefen dann los – umdrehen konnte man ja immer und wenn man so hoch sah, schaute es auch gar nicht weit aus.

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Anfangs ging ein Kiesweg nach oben, der noch ganz entspannt verlief, irgendwann kam eine kurze Klettereinheit dazwischen, dann ging es wieder auf Steinen weiter. Nach einer Weile wechselte der Weg dann mehr in Klettereinheiten und wir packten die Wanderstöcke dann doch weg.

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Bald schon wurden wir für den ersten Teil des Aufstiegs belohnt: Vor uns war ein Steinbock. Noch nie hatte ich einen Steinbock in den Bergen gesehen, daher war es umso schöner, als er plötzlich vor uns stand.

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Über Felsen suchten wir uns den Weg nach oben, der durch weiß-rote Symbole markiert war. Wir mussten schon genau schauen, damit wir nicht ein Zeichen übersahen. Nun kamen uns auch immer weniger Leute entgegen. Als wir ein gesichertes Stück mit Seil erreichten, war ich der Meinung, dass wir nun schon fast angekommen sein mussten. Nachdem dieser Teil geschafft war, sahen wir, dass es doch noch ein ganz schönes Stück weiterging und auch noch kein Kreuz zu sehen war.

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Wir kletterten weiter, kamen nun auch auf Schneefelder, was die Orientierung an den Zeichen schwieriger machte. Da wir aber nicht die ersten waren, konnten wir uns an den Fußspuren der Vorwanderer orientieren. Wir wanderten und kletterten weiter und kamen immer höher. Immer wieder vermutete ich den Gipfel zu sehen, aber der war’s dann doch nicht. Die Wanderung zog sich noch ein ganz schönes Stückchen und irgendwann war dann doch ein kleines Kreuz zu sehen.

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Nun sah es noch weit aus und ich wollte schon fast abbrechen, als wir aber einen Wanderer neben dem Gipfelkreuz sahen, war klar, dass nur das Kreuz so klein war. Der Weg war also nicht mehr weit. Wir kletterten über die letzten Steine und Felsen, liefen durch das letzte Schneefeld und waren dann oben. „Ah, seid ihr also doch noch gekommen!“, hörten wir eine vertraute Stimme. „Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass der Weg doch noch so weit ist“, meinte der bekannte Wanderer vom Watzmannhaus und war schon am Aufbrechen.

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Wir waren froh, nun am Gipfel zu stehen und blickten um uns. Beeindruckend hoch waren wir hier, als wir dann das Schild vom Hocheck sahen, wussten wir auch, wie hoch genau: 2651m. Damit hatten wir nicht gerechnet. Uns wurde bewusst, dass es doch etwas leichtsinnig war, einfach so eine längere schwarze Tour anzuhängen. Die Höhe und Kargheit flößt einem zusätzlichen Respekt ein. Genauso wie der gute Blick auf den weiteren Weg der Watzmannüberschreitung.

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Wir machten eine kurze Pause und stärkten uns für den Abstieg. Als wir nach oben blickten, sahen wir dunklere Wolken aufziehen, da brachen wir sofort auf.

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Trotzdem langsam und vorsichtig stiegen wir wieder hinab. Überraschenderweise verlief der Abstieg leichter als der Aufstieg. Damit hatte ich gerade wegen der Schneefelder nicht gerechnet.

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Aber das lief dann doch besser als erwartet. Nachdem die Wolken weitergezogen waren, konnten wir den Abstieg auch mehr genießen.

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Wir machten Bilder, beobachteten Paraglider und Drachenflieger und kamen so immer weiter richtung Watzmannhaus.

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Nach insgesamt vier Stunden waren wir wieder angekommen und froh, dass uns kein Gewitter überrascht hatte und Auf- und Abstieg gut gelaufen waren.

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Den Abstieg vom Watzmannhaus wählten wir genauso wie den Aufstieg, da wir bei den nun doch nahenden Gewitterwolken kein Risiko eingehen wollten. Wir liefen nach unten, kamen wieder an Falzalm und Mitterkaser Alm vorbei und kurz nachdem die Stubenalm hinter uns lag, fing es an zu regnen – oder besser: zu schütten.

Das war für uns aber nicht störend, sondern eine angenehme Erfrischung. Und zu diesem Zeitpunkt war das auch ungefährlich. Glücklich darüber, dass uns der Regen beim Abstieg vom Watzmannhaus erwischt hatte und nicht auf dem Hocheck, wanderten wir dem Parkplatz entgegen. Den erreichten wir dann auch vollkommen durchnässt aber trotzdem lächelnd. Zum Glück hatten wir trockene Wechseloberteile dabei.

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Geplant war für diesen Tag eine entspannende Tour zum Watzmannhaus, geworden ist es dann ein kleines Abenteuer. Nachdem wir am Abend nachgelesen hatten, dass das Hocheck der erste (nördlichste) Gipfel des Watzmanns ist, waren wir zusätzlich beeindruckt. Wir haben dabei gelernt, solche Touren in Zukunft etwas besser zu planen, um auch zu wissen, worauf wir uns einlassen. Wir wissen nun aber auch, dass es genau solche spannenden Touren sind, die uns am meisten Spaß machen.

Liebe Grüße,
Sabine 🙂

P.S.: Den zugehörigen Bericht auf HikeSociety findet ihr hier.

7 Antworten zu “Zweite Wanderung: Watzmannhaus (1930m) und Hocheck (2651m)”

  1. Kees sagt:

    Hallo Sabine,

    Interessanter beitrag über die wanderung zum Watzmannhaus. Ich möchte dieser wanderung auch gerne machen aber bin mir nicht sicher weil mir manchmal schwindlich wird bei wanderungen auf grosse höhe.

    Gibt es auf der route zum Watzmannhaus enge stellen oder tiefe abgrunden wo mann lang muss?

    Danke für antwort,
    Kees (Niederlande)

  2. Sabine sagt:

    Hallo Kees!

    Bei der Wanderung zum Watzmannhaus kommst du normalerweise nicht an enge Stellen oder tiefe Abgründe, wenn du die gleiche Route läufst, wie wir sie gegangen sind – also über Stubenalm und Mitterkaseralm. Das Hocheck solltest du dann nicht gehen, denn dort brauchst du absolute Schwindel- und Trittsicherheit. Aber bis zum Watzmannhaus sollte es von der Höhe her kein Problem sein, allerdings brauchst du etwas Ausdauer :-).
    Wenn ich dir sonst noch helfen kann, sag Bescheid. Was hast du denn sonst noch vor?

    Liebe Grüße,
    Sabine 🙂

  3. Miro sagt:

    Hallo Sabine,

    Super Bericht.

    Diese Strecke (Watzmannhaus, Hocheck) habe ich am 07.08.2013 mit noch zwei Freunden gemacht. Allerdings, unser Startpunkt war nicht der Parkplatz Hammerstiel sondern Parkplatz Wimbachbrücke. Unser Ziel war das Watzmannhaus, dennoch haben wir uns kurzfristig und bei wunderschönem Wetter entschieden auf`s Hocheck zu gehen. Nach zwei Stunden waren wir auf dem Gipfel. Unvergesslich !!!!

    Gruss aus Frankfurt

    Miro

  4. Sabine sagt:

    Hallo Miro,

    ja, das ist wirklich eine unvergessliche Tour :-)! Vor allem wenn’s eine so kurzfristige Entscheidung ist und dann so toll ist :-). Ich hoffe, ihr hattet auch sonst schöne Touren im Berchtesgadener Land?

    Liebe Grüße,
    Sabine 🙂

  5. Verena sagt:

    Hi Sabine,

    ich will nächste Woche mit ner Freundin zum Watzmannhaus hoch dort übernachten und am nächsten Tag weiter zur Wimbachgrieshütte.
    Eigentlich wollten wir am 2. Tag erst noch aufs Hocheck, aber wir sind uns ein bisschen unsicher bzgl. der Schwierigkeit der Tour….
    Benötigt man einen Klettergurt etc.

    LG,
    Verena

  6. Sabine sagt:

    Hallo Verena,

    du benötigst weder Klettergurt noch Klettersteigset, auf’s Hocheck kommst du auch so. Wenige Seilsicherungen sind auch am Fels. Was ihr vor allem braucht ist eine gute Kondition und Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit, dann sollte das machbar sein. Es kommt ganz drauf an, was ihr sonst so wandert. Laut Schildern müsst ihr ca. fünf Stunden einplanen. Es ist eine schwarze Route mit viel Fels und Geröll, bei der man gut auf die Markierungen achten muss und vor allem eine gute Trittsicherheit braucht, dann geht das gut. Ich vermute, dass mittlerweile auch der Schnee weg ist, was es sicher leichter macht :-).

    Liebe Grüße,
    Sabine 🙂

  7. Das Watzmannhaus liegt herrlich. Dort einen Sonnenaufgang zu erleben ist ein Traum!

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